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| Beri-Beri |
Beri-BeriBeriberi oder auch Beri-Beri (ICD-10: E51.1) ist eine Erkrankung, die durch einen langfristigen Mangel an Thiamin (Vitamin B1) entsteht.
Geschichte
Bei der Beriberi handelt es sich um die älteste dokumentierte Mangelkrankheit, die - ohne das Wissen um die zugrundeliegende Ursache - schon vor 4600 Jahren in China beschrieben worden ist.
1630 wurde die Erkrankung von Jacobus Bonitus auf Java als eine Krankheit beschrieben, deren Symptome ein wackliger Gang und zitternde Knie waren und die von den Einheimischen "Beri Beri" (zu deutsch: Schafsgang) genannt wurde.
Während der Meiji-Restauration in Japan war es zu einer Öffnung des Landes gegenüber westlichen Einflüssen gekommen und wurden insbesondere im Bereich des Gesundheitswesens pragmatische Reformen in Angriff genommen. So wurden 1878 Vertreter der traditionellen japanischen Kampo-Medizin und der westlichen, in Japan vornehmlich deutsch geprägten Medizin aufgerufen, die Überlegenheit ihrer jeweiligen Methoden anhand der Behandlung der Volkskrankheit Beriberi bei einer jeweils gleich großen Anzahl von Betroffenen zu beweisen; die Patienten, bei denen keine Besserung der Krankheitssymptome festgestellt werden konnte, wurden in der Folge an die andere Schule überwiesen - ein fairer Ansatz, der dennoch keine Resultate lieferte, da auf beiden Seiten das Wissen um die Ätiologie der Krankheit fehlte.
Nachdem vor allem japanische Seeleute von der Beriberi stark betroffen waren, führte der Japaner Kanehiro Takaki, der als westlich orientierter Mediziner eine englische Ausbildung genossen hatte, in den 1880ern Untersuchungen über die Entstehung der Erkrankung auf zwei Schiffen der kaiserlichen Marine durch. Entgegen der landläufigen Schulmeinung, bei der Beriberi handle es sich um eine Infektionskrankheit, konzentrierte er sich auf Ernährungsaspekte - womöglich durch die Mitte des 18. Jahrhunderts gemachten Erkenntnisse des britische Schiffsarzt James Lind über die Verhinderung des Skorbut ermutigt. Dabei verordnete er der Besatzung des einen Schiffes die übliche Ernährung - hauptsächlich weißen, geschälten Reis, der anderen eine mit Gemüse, Gerste, Fisch, Fleisch angereicherte Diät. Nach einer neunmonatigen Schiffsreise waren auf dem ersten Schiff 161 von insgesamt 376 Männern an Bord an Beriberi erkrankt und 25 daran gestorben. Im Gegensatz dazu waren nur 14 Männer auf dem zweiten Schiff erkrankt und keiner gestorben. Dennoch wurden in der Folge erbitterte Debatten über die Natur der Beriberi in Japan geführt, wobei sich Marineärzte der „englischen“ Schule den Ärzten der Universität von Tokyo und deren „deutscher“ Schule gegenüberstanden. Eine Auswirkung des Streits war auch, dass Takaki auf Englisch statt Deutsch als Unterrichtssprache an seiner eigenen medizinischen Fakultät bestand. Nachdem Takakis Diät in der Marine eingeführt worden war, sank hier die Inzidenz der Beriberi innerhalb von sechs Jahren von 40 % auf 0 %, so dass auch die japanische Armee die Ernährungsrichtlinien übernahm und diese 1890 von der Regierung in den Gesetzesrang erhoben wurden.
Außerhalb der japanischen Streitkräfte hatte sich jedoch nichts verändert. 1886 wurde eine Expertengruppe mit dem Holländer Christiaan Eijkman in die damals noch holländische Kolonie Indonesien gesandt, um die Krankheit zu erforschen. Zwischen 1890 und 1897 schrieb er über seine Beobachtungen, dass in einem Militärhospital in Batavia, neben Patienten und Personal auch die Hühner im Hof des Hospitals, die er zu Versuchszwecken mitgebracht hatte, ohne sein Zutun für kurze Zeit erkrankten. Zunächst ebenfalls ein Anhänger der sog. Keimtheorie und von einer bakteriellen Ursache der Erkrankung überzeugt musste er schließlich erkennen, dass die Hühner eine Zeitlang mit geschältem Reis gefüttert worden waren, weil das übliche Futter ausgegangen war. In weiteren Fütterungsexperimenten konnte er die Krankheit bei Hühnern gleichsam ein- und ausschalten. Als in der Folge auf dem Speiseplan der erkrankten Menschen ungeschälter Reis eingeführt wurde, verschwanden auch bei diesen die Symptome. Sein Kollege Gerrit Grijns fand heraus, dass auch grüne Erbsen und Fleisch die Krankheit verhinderten. Beide extrahierten einen sog. "anti-polyneuritis factor" mit Wasser und Äthanol aus Reisschalen. Eijkman selbst war lange davon überzeugt, damit ein "pharmakologisches Antidot" gegen die im Reisendosperm (dem weißen Reis) vorhandene "Beri-Beri Mikroben" oder deren Toxine in der Hand zu haben; Grijns bevorzugte demgegenüber die These, dass weißem Reis eine besondere Substanz fehle, die für den Metabolismus des Nervensystems wichtig sei.
Von diesen Beobachtungen angeregt, begann der polnische Biochemiker Casimir Funk in London seine Forschungen zur Beriberi. 1911 isolierte er ein Amin aus ungeschälten Reiskörnern als „Anti-beri-beri factor“, dessen Mangel er irrtümlich für die Entstehung der Erkrankung verantwortlich machte. Tatsächlich war die Substanz in der Behandlung der Beriberi unwirksam und hatte er wohl ein Niacin gefunden. Dennoch führten ihn diese und weitere Arbeiten 1912 zur Einführung des Begriffs „vital amine“ für eine ganze Gruppe dieser lebensnotwendigen Substanzen, wovon schließlich der Begriff Vitamine abgeleitet wurde.
1926 wurde Thiamin als erstes B-Vitamin von Barend Coenraad Petrus Jansen und W. Donath aus der Hülle des Reiskorns isoliert, und von diesen "Aneurin" (für antineuritisches Vitamin) benannt. Leider übersahen sie dabei das im Molekül vorhandene Schwefelatom und veröffentlichten eine falsche Formel, was jahrelang für Verwirrung sorgte. Anderen Quellen zufolge war Suzuki Umetaro 1910 in Japan der erste, der die Substanz - unter dem Namen "aberic acid" - isolierte und dafür ein Patent erhielt. 1929 bekam Eijkmann für seine Entdeckungen den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin (gemeinsam mit Frederick G. Hopkins, einem Pionier der Vitaminforschung). Die Synthese von Thiamin erfolgte erstmals 1936 durch Robert R. Williams.
Ursache, Epidemiologie
Ursachen von Beriberi sind
- eine an Thiamin arme Ernährung (z. B. durch Verzehr zu großer Mengen ausgemahlenen Mehls oder von geschältem Reis) oder
- eine verminderte Resorption von Thiamin (z. B. bei chronischen Durchfallerkrankungen) oder
- ein erhöhter Thiaminbedarf des Körpers bei Fieber, Schilddrüsenüberfunktion oder in der Schwangerschaft.
In den westlichen Ländern ist Beriberi selten und tritt überwiegend bei schwerer Alkoholkrankheit in Zusammenhang mit einseitiger Ernährung auf. In Asien ist die Krankheit häufiger, wenn die Nahrung hauptsächlich aus geschältem weißem Reis besteht.
Symptome
Teilweise wird/wurde in „trockene“ und „feuchte“ Formen der Beriberi unterteilt. Überschneidungen sind jedoch häufig und über Schmerzen und Parästhesien wird bei beiden Formen geklagt.
Trockene Beriberi
Vor dem Auftreten typischer Beriberi-Symptome kommt es als Folge des Thiamin-Mangels zu Teilnahmslosigkeit (Apathie), Nervenlähmungen (Polyneuropathie), Zittern bei gleichzeitig erhöhter Reizbarkeit und Appetitmangel sowie in dessen Folge zu einem Teufelskreis mit weiterem Thiaminmangel.
Feuchte Beriberi
Die feuchte Form äußert sich zusätzlich in Störungen des Herz-Kreislaufsystems, die sich zu Beginn in starkem Herzklopfen bzw. einer Pulsbeschleunigung äußert. Wenn der Thiaminmangel weiter besteht, kommt es nach drei Monaten durch einen beeinträchtigten Energiestoffwechsel des Herzmuskels zu einer Kardiomyopathie mit Herzvergrößerung, später zu einer Herzinsuffizienz mit entsprechender Ausbildung von Ödemen und einer Laktatazidose.
Krankheitsverläufe
Man unterscheidet drei typische Krankheitsverläufe:
- Akute Säuglingsberiberi bei Kindern führt häufig zu Herzversagen. Im November 2003 wurde in Israel Beriberi bei Säuglingen festgestellt. Die Babys litten an Kuhmilchallergie und wurden deshalb mit einer Ersatzmilch aus Sojaeiweiß gefüttert. Durch einen Irrtum wurde diese Nahrung ohne Vitamin-B1-Zusatz hergestellt. Drei Säuglinge starben, mehrere andere erlitten schwere Schäden.
- Chronische Beriberi führt zu Ödemen und Nervenlähmungen bis zum Herzversagen.
- Als Komplikation einer Alkoholkrankheit mit Thiamin-Mangel treten Gehirnschäden auf (Wernicke-Enzephalopathie).
Behandlung
Zu Beginn einmalig parenteral 100 mg Thiamin (bei kardiovaskulären und neurologischen Symptomen), danach 10 mg täglich in Tablettenform.
Mykotoxine
Auch Mykotoxine (u. a. Citrinin, Citreoviridin, Luteoskyrin, Rugulosin, Rubroskyrin) wurde mit dem Auftreten von Symptomen einer besonders schweren Beriberi-Erkrankung in Zusammenhang gebracht. Im frühen 20. Jahrhundert wurde sie in Japan beobachtet und dort als „yellow-rice-disease“ (jap.: shoshin-kakke) bzw. in unserern Breiten als fulminante Form der Beriberi oder Shoshin-Beriberi bezeichnet. Nachdem sie vor allem nach Verzehr von gelbem Reis aufgetreten war, wurde unsachgemäß gelagerter und dadurch angeschimmelter geschälter Reis als ursächlich angesehen.
Für diese Hypothese wird angeführt, dass Beriberi schon in China bekannt war, bevor es polierten Reis gab. Inwieweit die Betroffenen allerdings nicht unterernährt oder fehlernährt waren, bleibt dabei offen. Eine Tatsache ist jedoch, dass 1958 in Japan 7 % der untersuchten Reisproben das Toxin aufwiesen und Beriberi gerade auch in jenen Gegenden Japans auftrat, in die der Reis exportiert worden war. Auch hier zeigte sich eine Behandlung mit Thiamin wirksam.
Citreoviridin wird von einigen Schimmelpilzarten produziert, so auch von Aspergillus terreus, der Getreide, Reis, Nüsse, Kakao und Trockenfrüchte befallen kann. Das Toxin wurde allerdings auch schon auf ungeerntetem Mais in den USA nachgewiesen.
Weblinks
- [http://www.gesundheit.de/roche/index.html?c=http://www.gesundheit.de/roche/ro02500/r03479.000.html Beriberi im Roche-Lexikon Medizin]
- [http://www.ake-nutrition.at/uploads/media/KOUNTCHEV.pdf Fallbericht der Univeritätsklinik für Innere Medizin, Innsbruck]
- [http://www.jikei.ac.jp/eng/found.html Der Beitrag Kanehiro Takaki zur Erforschung der Erkrankung (englisch)]
- [http://www.quarks.de/dyn/13679.phtml Diskussion der Toxin-Hypothese]
Kategorie:Krankheit
ja:脚気
ICD-10Die International Classification of Diseases and Related Health Problems (ICD) ist eine von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegebene internationale Klassifikation der Krankheiten und verwandten Gesundheitsproblemen. Die aktuelle Ausgabe der ICD wird als ICD-10 bezeichnet. Ziel der ICD ist die weltweite Erforschung von Morbidität und Mortalität mit einer international einheitlichen Systematik zu ermöglichen. Die ICD-10 liegt in 3 Bänden vor:
- Band I: Systematisches Verzeichnis
- Band II: Regelwerk
- Band III: Alphabetisches Verzeichnis
Die deutsche Übersetzung der ICD wird vom Deutschen Institut für medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) gepflegt und herausgegeben.
Geschichte der ICD
1893 wurde die Bertillon-Klassifikation bzw. das Internationale Todesursachenverzeichnis eingeführt. 1948 dehnte die WHO diese Systematik in der 6. Revision auf Krankheiten und Verletzungen aus. Bis zur ICD-9 (1976) erfolgten etwa alle zehn Jahre Revisionen, da aufgrund der Fortschritte in der Medizin Änderungen und Ergänzungen erzwungen wurden. Die Arbeit an der letzten, zehnten Revision begann 1983 und wurde 1992 abgeschlossen. Eine ICD-11 ist derzeit nicht vorgesehen, stattdessen soll eine auf den neuesten Stand gebrachte Version des ICD-10 jährlich von der WHO herausgebracht werden. Dementsprechend ist die aktuelle Version die ICD-10, Version 2005.
In Deutschland stellt ein modifiziertes Diagnosesystem die Abrechnungsgrundlage von Gesundheitsleistungen im ambulanten wie im stationären Sektor dar. Diese wurde 2005 unter dem Namen "ICD-10-GM 2005" veröffentlicht. (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsproleme. 10. Revision German Modification 2005.)
ICD-Schlüssel
Als Notation wird jeder ICD-Klasse ein bis zu fünfstelliger Schlüssel zugeordnet. Buchstaben und Ziffern schränken dabei die vorliegende Erkrankung diagnostisch immer genauer ein:
- F0: organisch psychische Störungen
- F1: psychische Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen
- F2: schizophrene, schizotype und wahnhafte Störungen
- F3: affektive Störungen
- F4: neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen
- F5: Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren
- F6: Persönlichkeits- und Verhaltsstörungen
- F60: spezifische Persönlichkeitsstörungen
- F60.0: paranoide Persönlichkeitsstörung
- F60.1: schizoide Persönlichkeitsstörung
- F60.2: dissoziale Persönlichkeitsstörung
- F60.3: emotional instabile Persönlichkeitsstörung
- F60.30: impulsiver Typ
- F60.31: Borderline Typ
- F60.4: histrionische Persönlichkeitsstörung
- F60.5: anankastische Persönlichkeitsstörung
- F60.6: ängstliche (vermeidende) Persönlichkeitsstörung
- F60.7: abhängige (asthenische) Persönlichkeitsstörung
- F60.8: andere spezifische Persönlichkeitsstörungen
- F61: kombinierte Persönlichkeitsstörungen
- F62: andauernde Persönlichkeitsänderungen
- F63: abnormale Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle
- F64: Störungen der Geschlechtsidentität
- F65: Störungen der Sexualpräferenz
- F66: psychische Verhaltensstörungen in Verbindung mit der sexuellen Entwicklung und Orientierung
- F68: andere Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen
- F7: Intelligenzminderung
- F8: Entwicklungsstörungen
- F9: Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in Kindheit und Jugend
Weitere Beispiele:
A: Es liegt eine infektiöse oder parasitäre Erkrankung vor.
A5: Bei dieser Erkrankung handelt es sich um eine Infektion, die vorwiegend durch Geschlechtsverkehr übertragen wird.
A57: Bei dieser vorwiegend durch Geschlechtsverkehr übertragenen Infektion handelt es sich um das Ulcus molle.
F: Es liegt eine psychische oder Verhaltensstörung vor.
F3: Bei dieser Störung handelt es sich um eine affektive Störung.
F31: Bei dieser affektiven Störung handelt es sich um eine bipolare affektive Störung.
F31.3: Diese bipolare affektive Störung äußert sich gegenwärtig als leichte oder mittelgradige depressive Episode.
L: Es liegt eine Erkrankung der Haut oder der Unterhaut vor.
L7: Bei dieser Erkrankung handelt es sich um eine Krankheit der Hautanhangsgebilde.
L70: Bei dieser Krankheit der Hautanhangsgebilde handelt es sich um Akne.
L70.0: Bei dieser Akne handelt es sich um Acne vulgaris.
Nach den §§ 295 und 301 Sozialgesetzbuch V sind in der Bundesrepublik Deutschland Ärzte und Krankenhäuser zur Diagnoseverschlüsselung nach ICD verpflichtet. Aus dem ICD und dem OPS Code wird eine DRG errechnet, so dass eine fall- und diagnosebezogene Abrechnung möglich wird. Die ICD sind zusammen mit der OPS-Verschlüsselung für Krankenhäuser Grundlage des DRG-Systems, das seit 2003 als Berechnungsgrundlage für Leistungsvergütung in Deutschland eingeführt wird. Ziel dieses neuen System ist es, trotz zunehmender Belastung des Gesundheitswesens durch die demographische Entwicklung eine Steuerungsmöglichkeit der Kostenentwicklung zu erhalten.
Gliederung der ICD-10:
Kritik an der ICD
In Deutschland sollte bereits 1996 die vertragsärztliche Abrechnung ausschließlich auf Basis der Verschlüsselung nach ICD-10 erfolgen. Nach massivem Widerstand aus der Ärzteschaft wurde die ICD-10 zunächst als freiwillige Option eingeführt, die Verwendung einer überarbeiteten Version ist seit 2000 Pflicht.
Hauptkritikpunkte an der ICD waren:
- Es wurde befürchtet, dass durch datentechnische Auswertungsverfahren die ärztliche Schweigepflicht ausgehöhlt werden könnte („gläserner Patient“)
- Durch die Möglichkeit einer maschinellen Auswertung der Abrechnungsdaten solle die ärztliche Tätigkeit in unzulässigem Maß transparent und kontrollierbar gemacht werden („gläserner Arzt“)
- Die Gliederung entspricht nicht medizinischen oder praktischen Gesichtspunkten, sondern folgt lediglich statistischen Erfordernissen. So werden etwa unter K alle Krankheiten des Verdauungssystems zusammengefasst (von den Zähnen bis zum Darmausgang), die in der ärztlichen Praxis ganz verschiedene Fachgruppen betreffen. Andererseits fehlen dort wichtige Krankheiten wie Karzinome, die unter C eingeordnet sind.
- Die offizielle Formulierung der Diagnosetexte entspricht nicht dem ärztlichen Sprachgebrauch, sondern stellt mehr ein „Behördendeutsch“ dar.
- Viele ICD-Codes stehen nicht für eine einzelne, sondern für eine Reihe von Diagnosen, die der Arzt in seiner praktischen Arbeit noch feiner untergliedern muss.
- Die Verwendung mancher Diagnosen, speziell unter Z, könnte eine unzulässige Offenlegung der persönlichen Situation und Umgebung des Patienten sein, z.B. Angaben über Einflüsse aus dem familiären oder beruflichen Umfeld
- Wie allen Klassifikationsverfahren liegt der ICD ein Weltbild zugrunde, das sich im Einzelnen kritisieren lässt. So war beispielsweise bis zur ICD-9 Homosexualität (Klasse 302.0) als eigene Krankheit vertreten.
- Nicht jede Symptomatik entspricht einem Krankheitsbild nach ICD; das erschwert dem Arzt klare Angaben, wenn zunächst kein Krankheitsbild hundertprozentig passt.
Siehe auch
- Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders
- DSM/ICD
Weblinks
- [http://www.dimdi.de/de/klassi/index.htm DIMDI] (mit Links auf weitere Klassifikationen im Gesundheitswesen)
- http://www.dimdi.de/static/de/klassi/diagnosen/icd10/ls-icdhtml.htm (aktueller Stand)
- [http://www.gbe-bund.de Gesundheitsberichterstattung der BRD]
- [http://www.health.magwien.gv.at/kataloge/vg_cola.asp?callbackURL= ICD-10 Verzeichnis]
- [http://www.who.int/whosis/icd10/ WHO Link]
- http://www.dimdi.de/de/klassi/diagnosen/icd10/index.htm
- [http://www.med-kolleg.de/icd/index.htm http://www.med-kolleg.de/icd/index.htm] Nachschlagen der ICD-Nummer zu einer Diagnose
- [http://www.icd-code.de http://www.icd-code.de] ICD-10 Verzeichnis mit komfortabler Suchfunktion
- [http://www.lumrix.de/icd.php ICD-10 einfache und schnelle Suchmaschine]
Kategorie:Klassifikationen
Kategorie:Medizinstatistik
ja:疾病及び関連保健問題の国際統計分類
ErkrankungEine Krankheit ist eine Störung der körperlichen, kognitiven und/oder seelischen Funktionen, die die Leistungsfähigkeit oder das Wohlbefinden eines Lebewesens subjektiv oder intersubjektiv deutlich wahrnehmbar negativ beeinflusst oder eine solche Beeinflussung erwarten lässt.
Sozialversicherungsrechtlich ist unter Krankheit ein regelwidriger, vom Leitbild des gesunden Menschen abweichender Körper- oder Geisteszustand zu verstehen, der ärztlicher Behandlung bedarf. Auf die Tatbestandsvoraussetzungen einer Arbeitsunfähigkeit kann nicht zurückgegriffen werden; ist jedoch Arbeitsunfähigkeit gegeben, liegt ohne Weiteres auch Krankheit vor.
Abwesenheit von Krankheit ist eine notwendige, aber laut WHO nicht hinreichende Voraussetzung für Gesundheit.
Synonyma und Ableitungen
Erkrankung, Morbus, Nosos
Systematik
Systematische Einteilungen der Krankheiten waren in der Vergangenheit ständigem Wandel unterworfen (vgl. Liste historischer Krankheitsbezeichnungen). Die moderne Einteilung der Krankheiten kann grob organbezogen nach den Hauptdiagnosegruppen (MDC, Major Diagnostic Categories) erfolgen.
Eine genauere Einteilung erlaubt die Internationale Klassifikation der Krankheiten ICD-10, bzw. für den onkologischen Bereich entsprechend der ICD-O.
Ursache von Krankheiten
Die Krankheitsursachen sind mannigfaltig. Bei vielen Krankheiten kann man keine einzelne Ursache dingfest machen, sondern nur Risikofaktoren herausarbeiten (siehe z.B. Herzinfarkt oder ungelöster, länger andauernder, schwächender Konflikt, vgl. Prof. Dr. med. Alexander Mitscherlich: "Krankheit als Konflikt" Suhrkamp 1966 und andere Autoren).
Krankheitsbegünstigend bzw. -verursachend ist oft auch ein Konflikt, aus dem sich der Patient, ohne es zu wissen, in einen Krankheitsgewinn flüchtet, von dem er bis zur Genesung profitiert, während der Konflikt an Wichtigkeit verliert und vom Patienten aus neuen Blickwinkeln mit Lösung gesehen werden kann. Liegt ein objektiv feststellbares, ärztlich behandelbares Symptom vor, muss die Krankheit auf herkömmliche, anerkannte Weise behandelt werden. Ein Ansprechen des Konflikts mit dem Patienten empfiehlt sich nicht, weil er davon noch kränker werden kann, nur um den Zusammenhang zwischen Konflikt und Symptom verdrängen zu können.
Typen von Krankheiten
Krankheiten können grob nach Typen eingeteilt werden:
- Erbkrankheiten (durch Vererbung verursacht)
- Infektionskrankheiten (durch Infektionen verursacht)
- Kinderkrankheiten
- Unfälle und Verletzungen (durch Außeneinwirkung verursacht)
- degenerative Erkrankungen (durch Entartung von Organen oder Gliedern, meist über Generationen, verursacht)
- Autoimmunkrankheiten (das Immunsystem bekämpft gesunde Zellen)
- Tumorkrankheiten (Zellen entarten und wachsen unkontrolliert)
- Iatrogene Erkrankungen (durch Behandlung verursacht)
- Zivilisationskrankheiten (falsche Ernährung, Bewegungsmangel u.a.)
- Mangelkrankheiten
- Wohlstandskrankheiten
Mit der gesellschaftlichen Bedingtheit von Erkrankung und Krankheitsverläufen sowie der staatlichen Steuerung des Gesundheitswesens beschäftigt sich die Medizinsoziologie.
Die gesellschaftliche Diskussion um die Abgrenzung von Krankheit zur Gesundheit wird in der Fachwelt mit Begriffen wie Healthism, Disease Mongering und Medikalisierung geführt.
Mit einer seelisch-körperlichen Betrachtungs- und Heilweise, unter Berücksichtigung der emotionalen und sozialen Ursachen sowie der Persönlichkeit und des Lebensschicksals des Patienten befasst sich die Psychosomatische Medizin.
Krankheitsverlauf
Der Krankheit selbst geht das Krankheitsvorfeld voraus, das durch die Anamnese ermittelt wird. Krankheit führt - behandelt oder unbehandelt - zu Heilung, Remission, einem Rezidiv (oder mehreren Rezidiven), Leiden oder Tod.
Häufig verwendete Begriffe, die den zeitlichen Verlauf beschreiben:
- akut = plötzlicher Beginn (z. B. grippaler Infekt)
- subakut = allmählicher Beginn (z. B. Hepatitis B)
- chronisch = längerer Verlauf (z. B. Multiple Sklerose)
- chronisch rezidivierend = immer wieder auftretend (z. B. "chronische" Bronchitis)
- foudroyant (oder: fulminant) = "blitzartig" einsetzend und verlaufend (z. B. Apoplexie)
Siehe auch
- Liste der Krankheiten, Krankheitserreger, Gesundheit, Prävalenz, Krankheitsgewinn, Krankheit als Metapher
Weblinks
- [http://www.sgipt.org/medppp/krank/iwk1.htm Zum Begriff 'krank' in der Medizin mit Blick auf Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie]
- http://www.hilfsorganisationen.de/MENUE/Krankheiten/ - Unterkategorie des Portals
- [http://www.akweb.de/fantomas/fant_s/fant007/07.htm Identitätspolitik in der Peripherie. Über Kranke und "Riskante" in der Normalisierungsgesellschaft, aus Fantômas 7/2005]
http://www.onmeda.de/krankheiten/index.html - Krankheiten auf onmeda.de
als:Krankheit
ja:病気
ms:Penyakit
simple:Disease
zh-min-nan:Pīⁿ
Thiamin
Namen
Thiamin ist der chemische Name von Vitamin B1. "Stimmungsvitamin" im Volksmund.
Beschreibung
Vitamin B1 ist ein weißes, fast geruchloses, wasserlösliches Vitamin. Es ist unentbehrlich für die Funktion des Nervensystems. Wird das Vitamin B1 ca. 14 Tage nicht mehr dem Körper zugeführt, dann sind die Reserven zu 50 % aufgebraucht.
Aufgabe/Funktion
Vitamin B1 Nervenvitamin spielt als Coenzym im Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel (Erhaltung von Nervengewebe und des Herzmuskels, Vermittlung der Nervenleitung) eine wichtige Rolle. Als Thiamin-Diphospat (TDP, Coenzym von Decarboxylasen und Transketolase) wirkt es beim Abbau von Kohlenhydraten im Gehirn und in den Muskeln. Auch Kondition und Gedächtnis hängen von diesem Vitamin ab. Es stärkt die Blutzirkulation und ist für die Produktion von Magensäure notwendig. Es ist wichtig bei der Umwandlung von Kohlenhydraten in Fett und der damit verbundenen Energiegewinnung aus den Kohlenhydraten (Es ist Coenzym für die Pyruvat-Dehydrogenase, einen Multienzymkomplex, welcher Pyruvat zu Acetyl-CoA umsetzt).
Vorkommen
- in 100 g Weizenkeime 2 mg
- in 100 g Sojabohnen 1 mg
- in 100 g Schweinefleisch 0,90 mg
- in 100 g Rindfleisch 0,60 mg
- in 100 g Erbsen 0,76 mg
- in 100 g Haferflocken 0,65 mg
- in 100 g Weiße Bohnen 0,50 mg
- in 100 g Hühnerfleisch 0,10 mg
- in 100 g Kartoffeln 0,10 mg
- Bierhefe
- Vollkornprodukte
Bedarf
- Frauen 1,0 mg/Tag
- Männer 1,2 mg/Tag
Symptome:
- Störungen des Kohlenhydratstoffwechsels und Nervensystems
- Reizbarkeit und Depressionen
- Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Konzentrationsschwäche, Muskelatrophie
- Blutarmut (Anämie)
- häufige Kopfschmerzen,
- Gedächtnisstörungen, Verwirrungszustände
- Herzversagen, Ödem, niedriger Blutdruck, Kurzatmigkeit
- Verringerte Produktion von Antikörpern bei Infektionen
- gestörte Energieproduktion
- schwache Muskulatur (besonders die Wadenmuskulatur)
- Krankheit: Beriberi:
Beriberi trat auf, als man den Reis zu polieren begann und
dadurch die vitaminreiche Schale entfernt wurde.
In Europa tauchte sie auf, als Mehl so fein gemahlen wurde, dass der vitaminreiche Weizenkeim verschwand und über das Brot kein Vitamin B1 mehr aufgenommen wurde.
In den Ländern Ostasiens und Japan, wo Reis als Hauptnahrungsmittel gilt, trat die Krankheit häufig auf. Die Krankheit tritt noch heute in Ländern der Dritten Welt auf. In den Industrieländern finden wir diese Krankheit meist im Zusammenhang mit Alkoholismus oder schwerer Fehlernährung.
Symptome bei Beriberi: neurologische Störungen, Muskelatrophie (Muskelschwund) und Herzinsuffizienz
Erst bei einer Menge von über 200 mg reagieren beispielsweise die Nerven überempfindlich auf Reize. In einigen Fällen wurden bei intravenösen Verabreichungen schwere allergische Reaktionen festgestellt.
Vitamin B-Gruppe
Hier handelt es sich um eine Sammelbezeichnung wasserlöslicher Vitamine, unterschiedlicher, chemischer Zusammensetzungen. Außer den eigentlichen B-Vitaminen, wie B1 Thiamin, B2 Riboflavin, B6 Pyridoxin und B12 Cobalamin rechnet man noch Biotin, Folsäure, Nicotinsäure und Pantothensäure hinzu. Die Gruppe der B-Vitamine kommt in tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln vor. Ohne die Faktoren der B-Gruppe laufen fast keine biochemischen Prozesse im Körper ab. Vitamine der B-Gruppe stellen keine einheitliche Klasse dar. Sie sind chemisch und pharmakologisch völlig verschiedene Substanzen. Einzelne B-Vitamine kommen in der Natur niemals isoliert vor. Aus diesem Grund wirken sie in der Regel auch im Verbund.
Geschichte
1882: erkannte der Japaner Takaki, dass die schon um 2600 vor Chr. in China bekannte Beriberi-Krankheit, durch zweckmäßige Ernährung (aus dem Vitamin B-Bereich) geheilt werden kann.
1897: wies der Nobelpreisträger für Medizin/Physiologie (Nobelpreis 1929) Christiaan Eijkman den Vitamin B1-Mangeleffekte durch das Füttern von poliertem Reis nach und zeigte, dass durch die Verfüttern der Silberhäutchen des Reises der Mangel behoben werden kann. Anti-Polyneuritis-Vitamin oder Aneurin (antineuritisches Vitamin) wurde es zunächst wegen seiner Wirkung auf die Nerven genannt.
1932: erhielt es dann aber von Windaus wegen seines Schwefelgehaltes die Bezeichnung Thiamin, der heute der einzig zulässige Name ist.
1926: wurde das Vitamin erstmalig von Jansen und Donath in kristalliener Farm aus Reiskleie isoliert.
1936: wurde die Struktur von Vitamin B1 etwa gleichzeitig von R.R. Williams und Grewe aufgeklärt. Die Synthese erfolgte durch R. R. Williams 1936 und von Andersag und Westphal 1937.
Weiterführende Informationen
Literatur
- Klaus Oberbeil: Fit durch Vitamine. Südwest-Verlag, 2003, ISBN 3517078247
- Autor unbekannt: Kalorien, Nährstoffe, Vitamine. Compakt Verlag, 2003,ISBN 3817455143
- Harald Friesewinkel: Das Wichtigste über Vitamine. Knauer Verlag, 2004, ISBN 3417247187
Siehe auch:
- Vitamine,
- Chemikalienliste,
- Hypovitaminose, Hypervitaminose
- Portal:Essen & Trinken
Weblinks
- http://www.m-ww.de/gesund_leben/ernaehrung/vitamine/
Kategorie:Vitamin
Kategorie:Chemische Verbindung
ja:チアミン
ko:비타민 B1
1630
Politik und Weltgeschehen
- Gründung von Cambridge in Massachusetts in den späteren USA
- Erste Erwähnung einer Allongeperücke
- 29. Mai: Karl II., König von England, Schottland und Irland († 1685)
- 17. September: Ranuccio II. Farnese, Sohn von Herzog Odoardo I. Farnese von Parma und Piacenza († 1694)
- 27. September: Michael Willmann, deutscher Barockmaler († 1706)
- 14. Oktober: Sophie von der Pfalz, auch bekannt als Sophie von Hannover, Herzogin von Braunschweig-Lüneburg, Kurfürstin von Hannover, Erbprinzessin von Großbritannien, seit 1701 die Stammmutter des heutigen Königshauses von Großbritannien und (Nord-)Irland († 1714)
- 18. November: Eleonora Magdalena von Mantua-Nevers-Gonzaga, dritte Ehefrau Kaiser Ferdinands III. († 1686)
- 27. November: Sigismund Franz, von 1662 bis 1665 Landesfürst von Tirol († 1665)
- 28. Dezember: Ludolf Backhuysen, gilt als populärster Marinemaler Hollands neben Willem van de Velde, obwohl von ihm auch biblische Themen existieren († 1708)
- 26. Januar: Henry Briggs, britischer Mathematiker und Astronom ( - um 1556)
- 26. Februar: William Brade, dänischer Komponist ( - 1560)
- 18. September: Melchior Khlesl, war Bischof von Wien und Kanzler des Kaisers Matthias ( - 1552)
- 24. September: Karl Günther von Schwarzburg-Rudolstadt ( - 1576)
- 25. September: Ambrosio Spinola, spanischer Heerführer, Ritter, spanischer Grande, Fürst und Herzog ( - 1571)
- 8. November: Heinrich von Krage, Bischof ( - um 1580)
- 15. November: Johannes Kepler, deutscher Mathematiker, Astronom und Optiker ( - 1571)
- 19. November: Johann Hermann Schein, deutscher Komponist ( - 1586)
- 30. Dezember: Matthias Martinius, deutscher Theologe ( - 1572)
- Rambold XIII. von Collalto ( - 1575)
ko:1630년
Meiji-RestaurationMeiji-Restauration (jap. 明治維新 Meiji ishin) bezeichnet den politischen Umbruch im Jahr 1868 und den Beginn einer neuen Regierungsform in Japan. Sie stand am Anfang einer Epoche der rasanten Modernisierung und Verwestlichung der japanischen Gesellschaft, obwohl sie zunächst die Rückkehr zum alt-japanischen Kaisertum propagierte.
Die Meiji-Restauration verdankt ihren Namen der neuen Ära-Bezeichnung Meiji (jap. 明治), welche wörtlich übersetzt „leuchtende Herrschaft” bedeutet. Diese Bezeichnung war zugleich der Thronname des neuen Kaisers Mutsuhito (= Meiji Tenno).
Geschichtlicher Hintergrund
Die Meiji-Restauration beendete die über 250 Jahre währende Herrschaft der Tokugawa-Dynastie. Die Tokugawa hatten als Angehörige des sog. Kriegeradels (jap. 武士 bushi oder Samurai) eine feudale Regierungsform geschaffen, die durch eine starke Betonung von Vasallenverhältnissen, eine Einteilung der Gesellschaft in vier erbliche Stände (ähnlich den indischen Kasten), und eine rigide Abschließung des Landes gegenüber dem Ausland gekennzeichnet war. Im Zuge der Meiji-Restauration wurden diese längst obsolet gewordenen Verhältnisse abgeschafft. Die neue Regierung war sich der Überlegenheit westlicher Mächte bewusst und versuchte so rasch als möglich, mit diesen auf technologischem und verwaltungstechnischem Gebiet gleichzuziehen.
Zugleich verstand sich das neue Regierungssystem aber als Rückkehr zu den politischen Verhältnissen des Altertums, in denen der japanische Kaiser (Tennō) die höchste politische Autorität innehatte. Mit der Machtübergabe an den zu dieser Zeit 15-jährigen Kaiser Mutsuhito lag die Zentralgewalt seit vielen Jahrhunderten erstmals wieder in den Händen des Kaisers. Daher spricht man nicht von einer Revolution oder Reform, sondern von einer Restauration (Wiederherstellung). Tatsächlich teilte sich aber eine Gruppe von ehemaligen, relativ niederrangigen, Samurai die politische Macht. Man spricht von den sogenannten „Meiji-Oligarchen”.
Der politische Umbruch startete am Beginn des Jahres 1868 und verlief blutig. Auf den Putsch der Daimyō von Chōshū, Satsuma und Tosa folgte der Boshin-Krieg, der ungefähr 10.000 Menschen das Leben kostete, obwohl er schnell zugunsten der Anhänger des Tennō entschieden war. Die raschen Erfolge der Modernisierung weisen auf eine generelle Akzeptanz der neuen Verhältnisse hin, es gab aber auch Widerstand. In den ersten Jahren der Meiji-Zeit kam es immer wieder zu Aufständen, die von dem Gefühl getragen wurden, dass sich Japan zu sehr an den Westen anlehnte, und dass von einer echten Rückkehr zur idealisierten Vergangenheit keine Rede sein konnte. Der bekannteste dieser Aufstände ist die Satsuma-Rebellion unter Führung des Generals Saigō Takamori. Sie diente als Vorlage für den Film The Last Samurai.
Politische Führer
Zu den „Meiji-Oligarchen”, die sich nach der Meiji-Restauration die wichtigsten politischen Ämter teilten, zählen:
- Ōkubo Toshimichi (1830-1878)
- Kido Takayoshi (1833-1877)
- Saigō Takamori (1827-1877)
- Iwakura Tomomi (1825-1883)
- Itō Hirobumi (1841-1909)
- Kuroda Kiyotaka (1840-1900)
- Matsukata Masayoshi (1835-1924)
- Oyama Iwao (1842-1916)
- Saigō Tsugumichi (1843-1902)
- Yamagata Aritomo (1838-1922)
- Inoue Kaoru (1835-1915)
- Saionji Kinmochi (1849-1940)
Quellen
- [http://en.wikipedia.org/wiki/Meiji_Restoration Der Artikel über die Meiji-Restauration in der englischen Wikipedia]
Siehe auch
- Portal:Japan
- Geschichte Japans
Kategorie:Japanische Geschichte
Kategorie:1868
ja:明治維新
Japan
Japan (jap. 日本 Nihon/Nippon; ) ist nach Indonesien, Madagaskar und Papua-Neuguinea der viertgrößte Inselstaat der Welt. Er liegt im Pazifik vor den Küsten Russlands und Koreas.
Der Landesname setzt sich aus den Zeichen 日 (Aussprache ni, in der Bedeutung „Tag“ oder „Sonne“) und 本 (Aussprache hon, in der Bedeutung „Ursprung“ oder „Wurzel“) zusammen. Japan ist deshalb auch bekannt als „Land der aufgehenden Sonne“. Sowohl der frühere mythologische Name Cipangu als auch Japan leiten sich vermutlich von der chinesischen Aussprache der Schriftzeichen (chin. 日本國 rìbĕnguó) ab.
Mit Japan befasst sich ein eigener Bereich der Kulturwissenschaft und Landeskunde, die Japanologie.
Geographie
Japanologie
Hauptartikel: Geographie Japans
Japan ist eine Inselkette, die sich entlang der Ostküste Asiens erstreckt. Die Hauptinseln sind Hokkaidō im Norden, die zentrale und größte Insel Honshū, sowie Shikoku und Kyūshū im Süden. Dazu kommen ca. 3.000 kleinere Inseln, die sich vor allem in der Seto-Inlandsee und als Ryūkyū-Inseln konzentrieren.
Über den gesamten Archipel verläuft eine Gebirgskette, die ungefähr 73% der Landmasse Japans ausmacht. Der höchste Berg Japans ist der Fujisan auf der Hauptinsel Honshū mit 3.776 m über dem Meeresspiegel. Nur in den Regionen Kantō (Großraum Tōkyō) und Kansai (Kyōto - Ōsaka - Kōbe) finden sich größere Ebenen. Beide sind dicht besiedelt und der Standort gleich mehrerer Millionenstädte. Auf Grund des Mangels an Flachland werden Berghänge durch Terassenfeldbau kultiviert.
Regionale Einteilung
Hauptartikel: Regionen Japans
Japan ist in acht Regionen eingeteilt: Hokkaidō, Tōhoku, Kantō, Chūbu, Kansai, Chūgoku, Shikoku und Kyūshū. Diese Einteilung ist historisch begründet und spielt heutzutage nur eine untergeordnete Rolle. Politisch ist Japan in Präfekturen gegliedert (siehe Politik).
Klima
Aufgrund der Nord-Süd-Ausdehnung des Landes ist das Klima in Japan sehr unterschiedlich ausgeprägt, die Inselkette erstreckt sich von der kalt-gemäßigten Klimazone in Hokkaidō, mit kalten und schneereichen Wintern, bis in die Subtropen in Okinawa. Dazu kommt der Einfluss von Winden - im Winter vom asiatischen Kontinent zum Meer, und im Sommer vom Meer zum Kontinent. Im späten Juni und frühen Juli fällt im Süden ein Großteil des Jahresniederschlages als monsunartige Regenfront (jap. 梅雨前線 baiu zensen), außerdem ist diese Zeit Taifun-Saison mit bis zu zwanzig Wirbelstürmen jährlich.
Japan kann wegen seiner breit gefächerten geographischen Verhältnisse in sechs Hauptklimaregionen eingeteilt werden:
- Hokkaidō: nicht sonderlich starke Niederschläge, aber während der langen kalten Winter größere Schneeverwehungen
- Japanisches Meer: Der Nordwestwind im Winter bringt starken Schneefall. Im Sommer ist diese Region kühler als die pazifische Region, jedoch gibt es hier öfter Föhn.
- Zentrales Hochland (Chūo-kochi): starke Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter sowie Tag und Nacht, geringe Niederschläge
- Seto-Inlandsee: Die Berge der Region Chūgoku und Shikoku halten den Wind auf und führen zu einem ganzjährig milden Klima.
- Pazifikregion: kalte Winter mit geringem Schneefall und heiße trockene Sommer
- Nansei-shoto (Ryūkyū-Inseln): Subtropisches Klima mit warmen Wintern und heißen Sommern. Starke Niederschläge vor allem während der Regenzeit, regelmäßig auftretende Taifune.
Bild:Klima wakkanai.png|Klimadiagramm Wakkanai (Hokkaidō)
Bild:Klima tokio.png|Klimadiagramm Tokio (Honshū)
Bild:Klima kagoshima.png|Klimadiagramm Kagoshima (Kyūshū)
Naturerscheinungen
Kyūshū]
Japan liegt an der geologischen Bruchzone dreier tektonischer Platten (die Eurasische Platte im Westen und Norden, die Philippinische Platte im Süden und die Pazifische Platte im Osten). Von seinen etwa 240 Vulkanen, die zum pazifischen Feuerring gehören, sind 40 aktiv. In der gesamten Region gibt es nahezu täglich leichtere Erdbeben, in größeren Abständen auch schwere (z. B. Großes Kanto-Erdbeben 1923, Erdbeben von Kōbe 1995). Jedes Jahr findet zum Jahrestag des Kanto-Erdbebens im September eine Übung zum Katastrophenschutz statt.
Im Spätsommer beginnt die Taifun-Saison, bei der vor allem der Süden und Südwesten Japans von über dem Pazifischen Ozean entstehenden Wirbelstürmen heimgesucht wird (z. B. von Tokage im Oktober 2004).
In den letzten tausend Jahren starben in Japan über 160.000 Menschen durch Tsunamis (durch unterseeische Erdbeben ausgelöste Flutwellen). Das Land verfügt heutzutage durch Messbojen im Pazifik über ein effektives Tsunami-Frühwarnsystem. Für die Bevölkerung finden regelmäßig Trainingsprogramme statt, viele japanische Küstenstädte schützen sich durch das Errichten riesiger Deiche. Diese Wälle aus Stahlbeton sind teilweise 10 Meter hoch, bis zu 25 Meter breit und mit stabilen Metalltoren ausgestattet.
Die zehn größten Städte
Tōkyō (Tokio) (8.340.000 Einwohner) – Yokohama (3.375.500) – Ōsaka (2.639.700) – Nagoya (2.213.700) – Sapporo (1.874.900) – Kōbe (1.523.900) – Kyōto (1.469.500) – Fukuoka (1.400.100) – Kawasaki (1.315.900) – Hiroshima (1.155.600) – Sendai (1.027.500)
siehe auch: Städte in Japan
Infrastruktur
Städte in Japan]Die gut ausgebauten Bahntrassen Japans haben eine Gesamtlänge von 23.577 km. Das entspricht Platz 14 (Stand 2004) der Weltrangliste (zum Vergleich: Deutschland liegt mit 46.142 km auf Platz 9; Stand 2004; Quelle: CIA World Factbook).
Die Nord-Süd-Verbindung des Shinkansen ist die Lebensader des Landes. 1964, zu den Olympischen Spielen wurde das erste Teilstück von Tōkyō nach Osaka eröffnet, damit können die Japaner als Erfinder des modernen Hochgeschwindigkeitszugs gelten. Durch kleine Strecken der sieben Nachfolgegesellschaften der privatisierten Staatsbahn JR, durch Privatbahnen, Überlandbusse und Fähren ist nahezu jedes Dorf und jede kleine Insel in Japan an das Netz angeschlossen. In den Städten gibt es exzellente Nahverkehrsverbindungen, U-Bahnen wie in Tōkyō, Osaka, Kyōto und vielen anderen, Straßenbahnen wie in Hiroshima oder Matsuyama und natürlich Busse. Auch ungewöhnliche Lösungen finden sich in Japan, wie die Einschienenbahn Kitakyūshū.
Bahn- sowie Nahverkehrsbeförderungsgebühren schwanken stark nach Region und Betreibergesellschaft, sind aber wegen fehlender staatlicher Subventionierung im allgemeinen hoch.
Ein Auto besitzt in Japan in erster Linie die Landbevölkerung und die obere Mittelklasse. Da die Städte sehr dicht bebaut sind, müssen Japaner in den Ballungsräumen nachweisen, dass sie einen Parkplatz besitzen, bevor sie sich ein Auto kaufen können. Es sind rund 45 Millionen Autos im Land zugelassen. In Wohngegenden sind die Straßen sehr eng und haben keine Bürgersteige. Es gibt im Straßenbild auch kaum LKWs, denn nur schmale Kleinlaster kommen in den engen Gässchen überall durch, um kleine Läden oder die an jeder Ecke vorhandenen Getränkeautomaten zu beliefern. Das japanische mautpflichtige Autobahnnetz umfasst rund 7.000 Kilometer, weitere 2.000 sind in Planung. Das Netz ist in staatlicher Hand, die Betreibergesellschaften wurden jedoch im Jahr 2005 in private Gesellschaften in öffentlichem Besitz umgewandelt und sollen eventuell verkauft werden. Auf den Autobahnen herrscht ein Tempolimit von 110 km/h. In Japan herrscht Linksverkehr.
Linksverkehr
Das gut ausgebaute Straßen- und Bahnnetz ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass im bergigen Inland und zwischen den Inseln viele Tunnel und Brücken nötig sind, und dass die Infrastruktur ständig durch Erdbeben, Taifune und Vulkanausbrüche gefährdet ist. Strom- und Telefonleitungen sind in Japan grundsätzlich oberirdisch geführt, damit man sie im Katastrophenfall schnell wieder herstellen kann. Ein Problem sind allerdings die unterirdischen Gasleitungen, die meisten Japaner kochen mit Erdgas. Bei Erdbeben brechen dadurch schnell Feuer aus. Zur japanischen Infrastruktur gehört deswegen auch ein dichtes Netz an Katastrophenwarnsystemen und Rettungsinseln.
Auch mit Häfen und Flughäfen ist Japan gut ausgestattet, da Japan auf Grund seiner Insellage sämtlichen internationalen Verkehr per Schiff oder Flugzeug abhandeln muss. Die größten Flughäfen sind Tokyo Narita, Kansai International Airport und der zur EXPO Aichi 2005 neu eröffnete Central Japan International Airport. Da ebenes Land in Japan immer knapp ist, wurden die letzten zwei der drei auf künstlichen Inseln im Meer errichtet. Bei Kitakyūshū ist eine weitere solche Flughafeninsel in Bau.
Ebenfalls gut ausgebaut ist das Telefonnetz, mittlerweile sind schnelle Internetzugänge Standard und nahezu die gesamte Bevölkerung vom Schulkind bis zum Greis besitzt ein Handy. Japaner begeistern sich schnell für neue technische Spielereien, und man kann davon ausgehen, dass auch in Zukunft viele neue Erfindungen auf diesem Gebiet zuerst auf dem japanischen Markt zu finden sein werden.
Flora und Fauna
Handy
Handy
Handy
Das Japanische Archipel erstreckt sich in einem langen Bogen von Norden (45. Breitengrad, Hokkaidō) nach Süden (20. Breitengrad, Okinotorishima). Im Inland finden sich eine Reihe Gebirgsketten, die die Baumgrenze überschreiten, außerdem gehört zu Japan eine größere Zone im Ostpazifik. Verglichen mit der Enge des Lebensraums, findet sich in Japan eine Vielzahl von Arten. Durch die Position als vorgelagerte Inselgruppe hat sich eine zwar mit „Kontinentalasien“ verwandte,
aber eigenständige Flora und Fauna entwickelt. Besonders erwähnt seien hier die Ogasawara-Inseln (auch: Bonin-Inseln), 1000 km südöstlich von Tōkyō, die wegen ihren endemischen Spezies oft mit den Galapagos-Inseln verglichen werden.
Japan liegt am Schnittpunkt von drei Ökoregionen. Die Hauptinseln und die nahegelegenen Nachbarinseln sind Teil der Paläarktischen Ökozone. Die Ryūkyū-Inseln sind Teil der Indomalaischen Region, während die Ogasawara-Inseln zu Ozeanien gerechnet werden.
Ozeanien
Säugetiere: An Großsäugetieren gibt es unter anderem den Braunbär auf Hokkaidō, auf Honshu den asiatischen Schwarzbären, Sikahirsche, und den Japanischen Serau (eine Ziegenantilope). Unter den einheimischen Arten findet sich auch der Japanmakak, der auf der Shimokita-Halbinsel (Präf. Aomori) heimisch ist und damit die nördlichste Affenpopulation der Welt bildet.
Die starke Verstädterung an den Küsten und auf den Japanischen Ebenen hat dazu geführt, dass einige Säugetierarten ausgestorben sind, so der japanische Wolf (Canis lupus hodophylax), der japanische Seelöwe (Zalophus californianus japonicus), der Seeotter und der Fischotter. Hunde und Katzen gibt es in Japan in einer breiten Auswahl an Rassen. Als die japanische Hunderasse wird der Shiba Inu angesehen.
Vögel: In Japan sind über 500 verschiedene Vogelarten gesichtet worden. Da die Inselgruppe in jeder Richtung von Meer umgeben ist, ist eine Vielzahl davon Wasservögel. Von Nord nach Süd ist Japan eine wichtige Zwischenstation für Zugvögel. In Sibirien brütende Vögel finden hier ihr Winterquartier, während die in Japan brütenden Vögel im Winter in Richtung Südostasien ziehen. Auf diese Art findet eine Vielzahl von Vogelarten ihren Weg nach Japan. In den Städten finden sich Krähen (besonders die Aaskrähe), Spatzen, Tauben und Rauchschwalben. Nationalvogel ist der Buntfasan. Der japanische Haubenibis (jap. toki, トキ) ist vom Aussterben bedroht.
Fische: Die japanischen Küstengewässer sind von kalten und warmen Meeresströmungen durchzogen, an deren Berührungslinien gute Wachstumsbedingungen für Plankton bieten. Das Land liegt an einer Belastungskante der Kontinentalplatten, durch deren Verschiebungen sich eine zerklüftete Küstenlinie gebildet hat. Dadurch bietet sich ein guter Lebensraum für eine Vielzahl von Fischarten (ca. 1337), und die Küste von Sanrikuoki (三陸沖, in der Präfektur Iwate) bis hoch zu den Kurilen ist einer der drei reichsten Fischgründe in der Welt. Auch in den Flüssen gibt es eine reichhaltige Zahl von Fischarten, auch begünstigt durch das regenreiche Klima. In den Brackwassergebieten der Flussmündungen gibt es eine Vielzahl von Muscheln. Problematisch ist die Wasserverschmutzung und die Betonierung der Flussbetten, die zu einem Aussterben zahlreicher Arten geführt hat. In den Siebzigern gab es eine starke Umweltbewegung, die erste Erfolge dagegen verbuchen konnte. Die Vielfalt der japanischen Fischwelt lässt sich auch als Tourist erleben, denn Tauchen ist in Japan ein beliebter Freizeitsport und in vielen Städten gibt es große Aquarien.
Flora: Japan ist zu rund 75% mit schwer zugänglichen Bergwäldern bedeckt, ein Umstand, der des Öfteren vergessen wird, wenn über die Betonmeere der modernen Metropolen berichtet wird. Durch den vulkanischen Ursprung der Inseln ist eine Vielzahl der einheimischen Arten auf eben diese Umgebungen spezialisiert.
Kulturpflanzen: Wichtigste Kulturpflanze in Japan ist der aus Korea eingeführte Reis, genau genommen Oryza sativa japonica (Kurzkornreis), historisches Arme-Leute-Essen ist allerdings die Hirse, da der Reis als Steuer entrichtet werden musste. Das Stroh wird für die Herstellung von Tatami verwendet. Ebenfalls angebaut werden verschiedene Bohnensorten, unter anderem die Adzukibohne, und eine Reihe von Gemüsen, darunter Ingwer, Rettich und Spinat. Heimisch sind außerdem verschiedene Zitrusfrüchte wie die Natsumikan, darüber hinaus wurde eine Reihe von Obst- und Gemüsesorten eingeführt. Zur traditionellen Küche gehören außerdem Seetang (u.a. Nori) und Meeresalgen (Wakame). Traditionelle japanische Häuser werden unter anderem aus dem Holz der Sicheltanne gebaut. Von nationaler Bedeutung sind auch die Teepflanze und verschiedene Binsenarten zur Herstellung der Tatamimatten (igusa - Flatterbinse, toushingusa - Dochtbinse).
Gesellschaft
Tatamimatten
Hauptartikel: Gesellschaft Japans
Die letzte Volkszählung aus dem Jahr 2004 weist eine Gesamtbevölkerung Japans von 127 Mio. Menschen aus.
Die japanische Gesellschaft ist ethnisch und linguistisch weitgehend homogen. Trotzdem lassen sich in Japan unterschiedliche Bevölkerungsgruppen ausmachen, in erster Linie nach Generation, Mann und Frau, Bildungsstand und direkt damit zusammenhängend Erwerbssituation und Einkommen sowie nach Stadt und Land.
Aktuelle Probleme der japanischen Gesellschaft sind ein Rückgang der Geburtenrate, Überalterung und Jugendarbeitslosigkeit.
Minderheiten
- Die zahlenmäßig größte Minderheit Japans sind die etwa 650.000 koreanischstämmigen Japaner, die seit Generationen in Japan leben, aber größtenteils nicht die japanische Staatsangehörigkeit besitzen. Die Annahme der japanischen Staatsbürgerschaft würde unter anderem auch das Annehmen eines japanischen Familiennamens voraussetzen, was einen Verlust der koreanischen Identität und Assimilation bedeuten würde und daher von einigen Koreanern abgelehnt wird.
- Die indigene Minderheit der Ainu auf der nördlichen Insel Hokkaidō stellt heute nur noch einige zehntausend Mitglieder.
- Die Buraku (auch: Burakumin) sind ethnische Japaner, deren Vorfahren nach shintoistischer und buddhistischer Auffassung unreine Berufe ausübten, daher sind sie noch heute sozial ausgegrenzt.
- Eine weitere Minderheit sind japanischstämmige Südamerikaner, meist Brasilianer, die wieder in das Land ihrer Vorfahren eingewandert sind.
- Ebenfalls in Japan leben zahlreiche Gastarbeiter aus arabischen Ländern, Indien und Südostasien.
Sprache und Schrift
Hauptartikel: Japanische Sprache und Japanisches Schriftsystem
Die Landessprache ist Japanisch und wird von nahezu der gesamten Bevölkerung gesprochen, auch von den meisten Minderheiten. Es existieren zahlreiche regionale Dialekte. In der Schule wird Englisch als erste Fremdsprache gelehrt, es wird jedoch häufig kritisiert, dass der japanische Englischunterricht sich zu sehr auf das Bestehen des TOEIC-Tests konzentriert und nur unzureichende Kommunikationsfähigkeiten vermittelt. Häufigste zweite Fremdsprache ist Chinesisch.
Die Japanische Sprache verwendet neben den chinesischen Schriftzeichen (jap. Kanji) auch zwei eigene Silbenschriftsysteme (Hiragana und Katakana). Straßen, Bahnhöfe und Ähnliches sind meist in Kanji und in lateinischer Umschrift (Rōmaji) beschildert.
Wissenschaft und Bildung
Hauptartikel: Bildung in Japan
siehe auch: Liste der Japanischen Universitäten, Hochschulen und Fachhochschulen
Bildung hat in Japan, beeinflusst durch den Konfuzianismus, einen sehr hohen Stellenwert. Abgängern der angesehenen Universitäten stehen in Japan alle Türen offen. Es ist jedoch schwer, einen solchen Studienplatz zu ergattern, die Härte der japanischen Universitätseingangsprüfungen ist berüchtigt.
Schule
Konfuzianismus
Hauptartikel: Schule in Japan
- Das Schulsystem ist eingeteilt in Grundschule (6 Jahre), Mittelschule (3 Jahre) und Oberschule (3 Jahre).
- Die Schulpflicht beträgt neun Jahre.
- Das Schuljahr in Japan beginnt stets am 1. April.
- Die Schulferien sind im ganzen Land einheitlich (Neujahr: 2 Wochen, März/April: 2 Wochen, Juli/August: 6 Wochen)
- Öffentliche Schulen haben die 5-Tage-Woche, private Schulen oft die 6-Tage-Woche.
- Während der Schulpflicht gibt es ein Sitzenbleiben wie in Deutschland nicht, praktisch jeder Schüler wird automatisch versetzt.
- Die schulische Bildung beginnt im Kindergarten, aber er ist nicht Teil der Schulpflicht. Da in Japan allgemein viel Wert auf das gemeinsame Lernen und Zusammenleben gelegt wird, findet im Kindergarten und der Grundschule viel Gruppenarbeit statt.
Bibliothekswesen
Hauptartikel: Japanisches Bibliothekswesen
Forschung
Nach dem Zweiten Weltkrieg konzentrierte sich die Forschung ganz auf die Entwicklung neuer Produkte für die Industrie. Hierbei fand eine sehr enge Kooperation zwischen den Entwicklungsabteilungen der großen Firmen und den Universitäten statt. Erst durch Reformen in den 1980er Jahren wird auch verstärkt Grundlagenforschung gefördert. Momentanes großes Thema ist die Entwicklung von Robotern, wie die Expo 2005 beeindruckend gezeigt hat. Das Hauptthema der Sozialwissenschaften der 1980er Jahre war Nihonjinron, der japanische Versuch der Identitätsfindungen nach den rasanten Wandlungen der letzten anderthalb Jahrhunderte.
Nobelpreisträger
- Physik: Hideki Yukawa (1949) - Shinichiro Tomonaga (1965) - Esaki Reona (1973) Masatoshi Koshiba (2002)
- Chemie: Fukui Kenichi (1981) - Shirakawa Hideki (2000) - Noyori Ryoji (2001) - Tanaka Koichi (2002)
- Medizin: Tonegawa Susumu (1987)
- Literatur: Kawabata Yasunari (1968) - Oe Kenzaburo (1994)
- Frieden: Sato Eisaku (1974)
Geschichte
Hauptartikel: Geschichte Japans; Periodisierung der japanischen Geschichte
;Jōmon-Periode: In der Zeit von 10.000 v. Chr. bis etwa 300 v. Chr. wanderten Menschen (vermutlich) aus Zentralasien, Sibirien und dem südpazifischen Raum in das Gebiet des heutigen Japan ein.
; Yayoi-Periode: Erste bestätigte Kontakte mit dem chinesischen Reich gab es von etwa 300 v. Chr. bis etwa 300 n. Chr.
; Kofun-Periode: Große Schlüsselgräberanlagen stammen aus der Kofun-Periode von etwa 300 bis 710 n. Chr. Es gab einen engen politischen Kontakt mit dem Nachbarland Korea und Einwanderung von Korea nach Japan.
; Nara-Epoche (710 – 784): In der Nara-Periode wurde der Buddhismus stark gefördert. Die Staatsform lehnte sich an das chinesische Vorbild an. Übernahme der Chinesischen Schrift.
; Heian-Epoche (794 – 1185): Aufschwung der höfischen Kultur in Heian-kyō (Kyoto), vor allem Dichtkunst und Literatur. Die Macht des Kaisers wurde allmählich geschwächt und Kriegerfamilien etablierten sich. Zum Ende der Heian-Periode begründete die Minamoto-Familie das erste Shōgunat.
; Kamakura-Epoche (1192 – 1333): Während der Kamakura-Periode unternahm Kublai Khan zwei Invasionsversuche. Er wurde jedoch von später als göttlich interpretierten Taifunen (神風 Kamikaze, Götterwind) abgewehrt.
; Muromachi-Epoche (1338 – 1573): Die mächtigen unabhängigen Daimyō unterhielten ihre eigenen Armeen. Das Shogunat verlor die Kontrolle, und die „Zeit der streitenden Reiche“ (戦国時代 sengoku jidai) begann.
; Sengoku-Epoche (1477 – 1603): Die drei Reichseiniger (Oda Nobunaga, Toyotomi Hideyoshi, Tokugawa Ieyasu) beendeten in der Azuchi-Momoyama-Epoche (1568 bis 1603) den über 100-jährigen Bürgerkrieg.
; Edo-Ära (1603 – 1867): In der Edo-Periode schottete sich Japan vom Rest der Welt ab. Die Tokugawa-Familie behielt für über 250 Jahre die Kontrolle über die anderen Daimyō. 1854 segelte US-Admiral Matthew Perry mit seiner Flotte von vier Kriegsschiffen unbehelligt in den Hafen von Tōkyō, um einen Brief des US-Präsidenten Millard Fillmore zu übergeben, in dem dieser die Tokugawa-Regierung zum offenen Handel mit den USA auffordert. Die Leichtigkeit, mit der Perry in den Hafen einlaufen konnte, offenbarte die Schwäche des Tokugawa-Regimes. Dies führte zu einem Aufstand regionaler Herrscher und mündete letztlich in eine Wiedereinsetzung des Kaisers, der allerdings wenig reale politische Macht erhielt.
USA
; Meiji-Ära (1868 – 1912): Die Reform des Kaiserhauses unter dem Meiji-Tennō ab 1868 (Meiji-Restauration und Moderne) beendete die Zeit des Kriegeradels und läutete die Moderne ein. Das Land erhielt eine moderne Verfassung und ein Parlament, so dass Japan eine konstitutionelle Monarchie wurde. Korea wird 1910 von Japan besetzt, wodurch die Beziehungen noch heute belastet werden.
; Taishō-Ära (1912 – 1926): Im Ersten Weltkrieg (1914 bis 1918) stand Japan auf Seiten der Alliierten. Die Taishō-Ära war durch kulturelle Dynamik und wirtschaftlichen Aufschwung gekennzeichnet. Es war auch eine Zeit der demokratischen Experimente mit einem parlamentarischen System. Letztendlich scheiterte die Demokratie durch Instabilität (ähnlich wie in Deutschland während der Weimarer Republik). Das Militär übernahm die effektive Kontrolle und läutete die Shōwa-Ära ein.
; Shōwa-Ära Teil 1 (1926 – 1945): 1931 Besetzte Japan den Nordosten Chinas und gründete 1932 den abhängigen Staat Mandschuko (Mandschurei). 1937 attackierte Japan China und begann damit den Zweiten Weltkrieg in Asien. Japan vertreibt die europäischen Kolonialmächte aus den südostasiatischen Ländern, um sein eigenes Kolonialreich aufzubauen. Im Dezember 1941 griffen japanische Truppen den US-Stützpunkt Pearl Harbor im Pazifik an und forderte so die USA heraus. Damit weitete sich der Zweite Weltkrieg auf den Pazifischen Ozean aus. Nicht nur in China, sondern auch in den anderen japanisch besetzten Gebieten Südostasiens geschahen Kriegsverbrechen. 1945 näherten sich die alliierten Truppen den japanischen Inseln, doch besonders auf den kleineren Inseln tobten noch heftige Kämpfe. Der Kaiser , sowie der Premierminister und seine Anhänger wollten Friedensverhandlungen aufnehmen, doch der Militaristische Clan hatte mehr Macht, vor allem über die Armee, was zu einer Weiterführung des Krieges führte. Am 6. August 1945 warfen die US-Amerikaner eine Atombombe über der Stadt Hiroshima und am 9. August eine weitere über Nagasaki ab. Unter dem Eindruck der Atombombenabwürfe kapitulierte Japan am 15. August 1945 bedingungslos, der Kaiser verlas um 12.00 Uhr mittags die Kapitulation, welche über Radio übertragen wurde. Noch heutzutage leiden viele Menschen und ihre Nachkommen unter den Folgen der Strahlenkrankheit (s. Hibakusha).
; Shōwa-Ära Teil 2 (1945 – 1989): Nach der Kapitulation beginnt der Wiederaufbau, zuerst unter General McArthur, dann in Eigenregie. Vom ehemaligen Kriegsgegner USA wird Japan als Vorposten gegen den Kommunismus in das westliche Bündnissystem integriert. Eine rasante wirtschaftliche Entwicklung setzt ein, in der Japanische Firmen Schritt für Schritt Marktanteile in allen wichtigen Schlüsselindustrien erobern. Japan erweist sich als stabile, friedliche Demokratie.
; Heisei-Ära (1989 – heute): Faule Bankenkredite und überbewertete Immobilien lassen Anfang der 90er die Bubble Economy platzen, und Japan rutscht in eine Phase von Deflation und hoher Staatsverschuldung, die wirtschaftliche Stagnation auf hohem Niveau bedeutet. Langsam werden Unternehmen und Banken saniert, der versprochene neue Boom bleibt bis jetzt jedoch aus.
Religion
Staatsverschuldung]]
Hauptartikel: Religion in Japan
In Japan haben immer mehrere religiöse Glaubensformen nebeneinander bestanden. Die wichtigsten sind der Shintō, der sich von der japanischen Urreligion herleitet, und der Buddhismus, der Japan im 5. oder 6. Jh. erreichte. Die Besonderheit des japanischen Buddhismus liegt darin, das er in viele verschiedenen Sekten (Schulen) gegliedert ist. In Japan gibt es mit dem Zen-Buddhismus die strengste Form dieser Religion, aber mit dem Nichiren-Buddhismus auch die undogmatischste. Laut dessen Sektengründer Nichiren muss man nur einmal im Leben das sogenannte Lotus-Mantra aufsagen, um vollständig erlöst zu werden. Daneben gab es chinesische Einflüsse durch Taoismus und Konfuzianismus, die von Shintō und Buddhismus aufgenommen und integriert wurden. Heute gehören die meisten Japaner (über 80%) beiden Hauptreligionen an, daher kann man die religiöse Grundeinstellung in Japan als synkretisch bezeichnen. Das Christentum (etwa 3% der Bev.) spielt in der Geschichte Japans nur eine untergeordnete Rolle. Seit dem 2. Weltkrieg herrscht eine besonders große religiöse Toleranz in Japan: Um die 180.000 Religionsgemeinschaften werden als staatlich anerkannt angegeben.
Politik
2. Weltkrieg und Kaiserin Michiko]]
Hauptartikel: Politik Japans
Verfassung
Hauptartikel: Japanische Verfassung
Die geltende japanische Verfassung wurde am 3. November 1946 verkündet und trat am 3. Mai 1947 in Kraft. In ihr verpflichtet sich das japanische Volk den Idealen des Friedens und der demokratischen Ordnung. Die Verfassung wurde von der damaligen amerikanischen Besatzungsregierung unter General Douglas MacArthur ausgearbeitet, ist aber seitdem nicht geändert worden.
In der Verfassung wird in Artikel 9 Absatz 1 Krieg als souveränes Recht abgelehnt, auch die Androhung militärischer Gewalt als Mittel zur internationalen Konfliktlösung ist verboten. Absatz 2 besitzt besondere Brisanz, da er Japan untersagt ein Militär zu unterhalten. Die japanischen Selbstverteidigungsstreitkräfte und insbesondere deren Auslandseinsätze im Irak und Afghanistan sind daher sehr umstritten. Laut eines Japan Times Artikels vom 29.10.05 arbeitet derzeit die LDP an einem Entwurf der Verfassung, in dem Artikel 9 in Teilen geändert werden soll. Absatz 1 bleibt unverändert bestehen, Absatz 2 soll jedoch gestrichen werden. Es wird ausdrücklich betont, das das Militär weiterhin nur der Selbstverteidigung dienen soll, aber auch der Sicherung internationalen Friedens und Sicherheit.
Weiterhin wird die Unverletzlichkeit der Menschenrechte betont. Der Entwurf der Neufassung enthält noch einige weitere, bisher nicht aufgeführte individuelle Rechte u.a. der respektvolle Umgang mit Behinderten und Opfern von Straftaten sowie Schutz persönlicher Daten.
Der Tennō hat nach der Verfassung rein repräsentative Funktion. Oberster Souverän nach der Verfassung ist das Volk, vertreten durch das Parlament. Das Parlament wählt den Premierminister, dieser beruft sein Kabinett.
Tennō
Hauptartikel: Tennō, Japanisches Kaiserhaus
"Symbol des Staates und der Einheit des Japanischen Volkes" ist Akihito, der 125. Tennō (dt. Kaiser, wörtlich "vom Himmel (gesandter) Herrscher"). Rechtlich gilt er nicht als Staatsoberhaupt, und die souveräne Macht liegt allein beim Volk. Sein Vater, der Shōwa-Kaiser, hat 1945 bei der Kapitulation Japans die Göttlichkeit der japanischen Kaiser zurückgewiesen. Die Verfassung von 1946 gibt dem Kaiser keine direkte politische Entscheidungsgewalt, im modernen Japan ist sein Amt zeremonieller Natur. Er ernennt den von beiden Parlamenten gewählten Ministerpräsidenten und den Präsidenten des obersten Gerichtshofes, er verkündet die Gesetze und beruft das Parlament ein. Außerdem ist er oberster Priester des Shintō.
Akihitos Regierungsdevise lautet heisei. Die Regierungsdevise wird auch als Jahresangabe in offiziellen japanischen Texten verwendet, beginnend mit dem Jahr der Thronbesteigung. Heisei 1 ist das Jahr 1989.
Politische Gliederung
siehe: Präfekturen Japans
Japan ist ein zentralistischer Staat, der lediglich klar umrissene Aufgaben an die 47 Präfekturen zur Durchführung weitergibt. Innerhalb dieser Aufgaben sind die Präfekturen zwar relativ autonom, allerdings immer weisungsgebunden gegenüber der Zentralregierung und auch auf die Finanzierung durch den Zentralstaat angewiesen.
Die 47 Präfekturen gliedern sich in Großstädte sowie Kleinstädte und Dörfer, die kommunale Ebene. Einzige Ausnahme ist die Präfektur Tokio, die in die 23 zentralen Stadtbezirke zum einen sowie umliegende Kleinstädte und Dörfer zum anderen aufgeteilt ist. Die Präfekturen sind in Größe und Bevölkerungsdichte sehr unterschiedlich. Die meisten entfallen auf die Hauptinsel Honshū, während beispielsweise die zweitgrößte Insel Hokkaidō nur eine einzige Präfektur hat. Innerhalb der präfekturalen und der kommunalen Ebene gibt es – im Gegensatz zum nationalen Parlamentarismus – ein präsidentielles System, innerhalb dessen einerseits die Regierungs- und Verwaltungschefs und andererseits die Gemeindeversammlungen und Präfekturparlamente autonom gewählt werden.
Gesetzgebung
Regierung]
Das Parlament ist das höchste Organ der Staatsgewalt und die einzige gesetzgebende Körperschaft Japans. Es ist zweigeteilt in Oberhaus und Unterhaus (auch Abgeordnetenhaus oder Repräsentantenhaus).
Im Unterhaus sitzen seit den Reformen in den Jahren 1993 bis 1996 nur noch 480 Parlamentarier, im Oberhaus gibt es 247 Sitze. Von den 480 Sitzen des Abgeordnetenhauses werden 300 in Ein-Mandat-Wahlkreisen nach dem Mehrheitswahlrecht und 180 in 11 regionalen Distrikten nach dem Verhältniswahlrecht gewählt. Passives Wahlrecht für das Abgeordnetenhaus erhalten alle Männer und Frauen mit dem vollendeten 25. Lebensjahr, für das passive Wahlrecht im Oberhaus muss das 30. Lebensjahr vollendet sein. Wahlberechtigt sind alle japanischen Männer und Frauen mit vollendetem 20. Lebensjahr.
Parteien
- Die Liberaldemokratische Partei (LDP, jap. jiyūminshutō 自由民主党)
- Die Demokratische Partei (minshu-tō 民主党)
- Die Partei für eine saubere Regierung (jap. kōmeitō 公明党, engl. CGP, Clean Government Party)
- Die Kommunistische Partei Japans (jap. kyōsantō 共産党)
- Die Sozialdemokratische Partei Japans (jap. shakaiminshūtō 社会民主党)
Außenpolitik
Hauptartikel: Außenpolitik Japans
Die Hauptpunkte von Japans Außenpolitik nach dem Zweiten Weltkrieg sind eine feste Bindung an die USA, Scheckbuchdiplomatie, ein in der Verfassung festgeschriebener Verzicht auf militärische Aggression, und Gebietsstreitigkeiten mit den Nachbarn Sowjetunion / Russland, VR China und Südkorea.
Die nördlich von Japan liegenden Südkurilen gehören seit 1945 zur Sowjetunion (ab 1990 dem Nachfolgestaat Russland), werden aber von Japan beansprucht. Dieser Konflikt ist ein andauerndes Problem in den japanisch-russischen Beziehungen.
Die kleine Inselgruppe Takeshima (koreanisch: Dokdo) wird von Südkorea verwaltet und von Japan beansprucht, nachdem sie während der Zeit des japanischen Imperialismus etwa 40 Jahre lang zu Japan gehörten. Im Frühling 2005 hat die Einführung eines Takeshima-Tages in einer japanischen Präfektur erneut Zorn in der koreanischen Bevölkerung hervorgerufen.
Besitzansprüche hat Japan neben der Volksrepublik China und Taiwan auch auf die Senkaku-Inseln (chin.: Diaoyu). In der Nähe der Inseln werden Rohstoffe vermutet.
Die Beziehungen zu vielen asiatischen Staaten - insbesondere zur Volksrepublik China, Südkorea und Nordkorea - sind vor allem wegen einer verpassten Aufarbeitung der imperialistischen Geschichte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts weiterhin angespannt. Die enge ökonomische Verflechtung und das Weltinteresse an einem Frieden in der Region machen kriegerische Konflikte jedoch unwahrscheinlich; stattdessen flammen immer wieder symbolische Krisen auf.
Gemäß der Verfassung hielt sich Japan lange Zeit aus sämtlichen internationalen bewaffneten Konflikten heraus und forcierte stattdessen eine auf Freihandel ausgerichtete multilaterale Handelspolitik. Im Januar 2004 stimmte das Parlament jedoch zum ersten Mal seit 1945 der Entsendung japanischer Soldaten in ein fremdes Land zu, nämlich in den Irak. Während Ministerpräsident Koizumi darin einen Beweis für die engen freundschaftlichen Beziehungen zu den USA sieht, betrachten viele Japaner das als Verfassungsbruch.
Militär
Hauptartikel: Japanisches Militär
Im Artikel 9 der Japanischen Verfassung verzichtet Japan auf das Recht souveräner Staaten zur Kriegsführung. Diese Klausel ist in der Welt einmalig, sie wurde nach der Niederlage Japans im zweiten Weltkrieg aufgenommen, um eine erneute militaristische Aggression zu verhindern. Der Artikel erlaubt es jedoch, Truppen zur Selbstverteidigung zu unterhalten. Während der alliierten Besatzung wurde eine Polizeireserve gebildet, mit der Souveränität 1953 wurde aus diesen ein Jahr später die Selbstverteidigungsstreitkräfte gegründet, aufgeteilt in Land-, See- und Lufttruppen. Um der Verfassung zu entsprechen, wird in der Bezeichnung grundsätzlich auf das Schriftzeichen gun (軍, "Armee") verzichtet. 1960 wurde eine militärische Allianz mit dem ehemaligen Kriegsgegner USA geschlossen.
In Japan herrscht keine Wehrpflicht. Der Militärhaushalt betrug im Jahr 2004 45,4 Mrd. US-D. Dies entspricht 1% des BIP, Japan nimmt von den Militärausgaben her Rang 6 in der Welt ein.
Bereits seit der Verabschiedung der japanischen Verfassung werden verschiedene Änderungen diskutiert, unter anderem auch eine Revision des Artikel 9, die jedoch auf Grund der hohen Hürden (Zweidrittelmehrheit in beiden Kammern des Parlaments und Volksabstimmung) nie zustande kamen.
Den ersten internationalen Einsatz führen die Selbstverteidigungsstreitkräfte seit 2004 als Alliierte der USA im Irak durch, was in Japan eine intensive Diskussion um die Verfassungsmäßigkeit solcher Einsätze hervorgerufen hat. Der Aufbau der de-facto-Armee und der internationale Einsatz wird im linken Lager als Bruch der Verfassung gesehen, während das rechte Lager den Artikel 9 als von der amerikanischen Besatzungsregierung aufgezwungen ansieht und diesen kippen möchte.
Von Seiten der Volksrepublik China wird häufig der Vorwurf hervorgebracht, dass in Japan ein neuer Militarismus im Entstehen begriffen ist. Historisch sind diese Ängste dadurch begründet, dass China im Antijapanischen Krieg großes Leid (geschätzte 18 Millionen zivile Opfer) zu beklagen hatte. An dieser Stelle erwähnt werden sollte allerdings, das Japan seit dem zweiten Weltkrieg keine militärische Aggression gezeigt hat und im Gegenteil ein aktiver Fürsprecher der atomaren Abrüstung war, China hingegen mehrere Konflikte mit seinen Nachbarn verursacht hat (Einmarsch in Tibet 1959, Indisch-Chinesischer Grenzkrieg 1962, Zwischenfall am Ussuri 1969, Chinesisch-Vietnamesischer Krieg 1979). Tatsächlich sehen militärische Bedrohungsszenarien in Japan in erster Linie eine Landung chinesischer Truppen an der Küste. Im Jahr 2005 wurde ein weiteres Konfliktgebiet deutlich, als Japan zum ersten Mal den Schutz Taiwans als Teil seiner Interessen definierte.
Ein zweites Bedrohungsszenario bietet Nordkorea, das bereits mehrfach Raketen über japanisches Territorium gefeuert hat und die Weltöffentlichkeit im Jahr 2005 mit der Behauptung überrascht hat, Atomwaffen zu besitzen. Aus diesem Grund arbeitet Japan eng mit der USA an der Entwicklung eines gemeinsamen Raketenabwehrschilds.
Das dritte Bedrohungsszenario ist ein terroristischer Anschlag, wie der Anschlag auf die Tokyoter U-Bahn durch die Ōmu Shinrikyō-Sekte im Jahr 1995 gezeigt hat. Durch das Engagement in Irak bestehen Befürchtungen, dass Japan auch Ziel islamistischer Gruppierungen werden könnte, entsprechende Hinweise hat es bereits gegeben.
Wirtschaft
Hauptartikel: Wirtschaft Japans
Japan ist eine gelenkte Volkswirtschaft, die in den letzten Jahren zunehmend dereguliert und privatisiert wurde.
Der Export im Jahr 2003 betrug 363 Milliarden Euro. Damit liegt Japan auf Platz 3 der exportstärksten Länder hinter Deutschland auf Platz 1 und den USA auf Platz 2.
Eine gute Zusammenarbeit zwischen Staat und Industrie, eine starke "Arbeitermentalität", die Beherrschung von Hightech, ein großes Augenmerk des Staates auf Ausbildung und ein vergleichsweise geringes Verteidigungsbudget (1 % des Bruttoinlandproduktes) haben Japan geholfen, binnen kurzer Zeit hinter den USA und der EU die drittgrößte Wirtschaftsmacht der Welt zu werden. Spektakulär: über drei Jahrzehnte hinweg hatte Japan nur Wirtschaftswachstum zu verzeichnen: ein Durchschnitt von 10 % in den 1960ern, durchschnittlich 5 % in den 1970ern, und 4 % Wirtschaftswachstum in den 1980ern. Erst in den 1990ern wurde das Wirtschaftswachstum durch die Spätfolgen von Fehlinvestitionen während der späten 1980er stark gebremst. Staatliche Versuche zur Wiederbelebung des Wirtschaftswachstums haben zu kleinen Erfolgen geführt und wurden später während der Jahre 2000 und 2001 durch eine Verlangsamung der amerikanischen und asiatischen Märkte gehemmt.
Das Regierungskabinett um Junichiro Koizumi hat Gesetze zur globalen P
1878
- 3. März: Frieden von San Stefano: Das Osmanische Reich muß sich einem für Russland günstigen Diktatfrieden beugen. Da der Machtzuwachs Russlands den Großmächten Österreich-Ungarn, Großbritannien und Frankreich zu weit geht, wird es noch im gleichen Jahr zum Berliner Kongress kommen (siehe unten)
- 31. Mai: Im Ärmelkanal kollidieren die beiden deutschen Kriegsschiffe „König Wilhelm“ und „Großer Kurfürst“ miteinander; beim Untergang der „Großer Kurfürst“ sterben 269 Menschen
- 15. Juni bis 14. Juli: Berliner Kongress unter dem Vorsitz Otto von Bismarcks: Rumänien, Serbien und Montenegro werden unabhängig, Rumänien erhält zudem die Dobrudscha, muß dafür jedoch einen Teil von Bessarabien an Russland abtreten. Bulgarien erhält einen Sonderstatus, bleibt jedoch dem Osmanischen Reich gegenüber tributpflichtig. Österreich-Ungarn darf Bosnien und die Herzegowina besetzen, Großbritannien erhält Zypern pachtweise, während Raszien, Albanien, Makedonien und Rumelien beim Osmanischen Reich verbleiben
- 11. Mai und 2. Juni: Auf Kaiser Wilhelm I. werden in Berlin nacheinander zwei Attentate verübt: Ein Täter wird hingerichtet, der andere kann sich vor dem Zugriff der Wachmannschaften selbst richten. In der Folge verabschiedet der Deutsche Reichstag am
- 19. Oktober: Der Reichstag beschließt mit 221 Stimmen von Konservativen und Liberalen gegen 149 Stimmen von Fortschrittlichen, Zentrum und Sozialdemokraten das Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie und legalisiert damit die von Otto von Bismarck zur Staatsdoktrin erhobene Sozialistenverfolgung
- Der unter dem Namen Mehmed Emin Pascha bekannte Afrikaforscher Eduard Schnitzer aus Oppeln wird zum Gouverneur der türkisch-ägyptischen Äquatorial-Provinz in Zentralafrika ernannt
Wissenschaft und Technik
- Josiah Willard Gibbs entwickelt seine Phasenregel der Thermodynamik
- Carl Gustav Patrik de Laval erfindet die Milchzentrifuge
- 1. Januar: Agner Krarup Erlang, dänischer Mathematiker († 1929)
- 1. Januar: Herbert Chapman, englischer Fußballspieler und Trainer († 1934)
- 4. Januar: Gerdt von Bassewitz, deutscher Schriftsteller († 1923)
- 6. Januar: Adeline Genée, dänische Ballett-Tänzerin († 1970)
- 6. Januar: Carl Sandburg, US-amerikanischer Lyriker († 1967)
- 9. Januar: John B. Watson, US-amerikanischer Psychologe († 1958)
- 10. Januar: Johann Lemmerz, Konstrukteur und Unternehmer († 1952)
- 12. Januar: Ferenc Molnár, ungarischer Schriftsteller und Journalist († 1952)
- 12. Januar: Franz Molnar, österreichischer Dramatiker, Feuilletonist, Romancier und Journalist († 1952)
- 17. Januar: Emil Helfferich, deutscher Südostasienkaufmann
- 21. Januar: Egon Friedell, österreichischer Schriftsteller und Schauspieler († 1938)
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